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Swiss Dental Hygienists
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Informationen für Patientinnen und Patienten

Mundgesundheit und Diabetes

Mundgesundheit und Diabetes

Was ist eine Gingivitis oder Parodontitis?

Gingivitis ist eine Entzündung des Zahnfleisches, die durch Bakterien ausgelöst wird. Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des ganzen Zahnhalteapparates (Zahnfleisch inklusive zahntragender Knochen).

Wie erkenne ich, ob ich eine Gingivitis oder Parodontitis habe?

Ohne eine genaue Untersuchung durch die Dentalhygienikerin oder die Zahnärztin erkennen Sie nur die Ginigivitis. Entzündetes Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen und kann auf Berührung oder spontan bluten. Entzündetes Zahnfleisch verursacht meistens keine Schmerzen. Es ist möglich, dass die Entzündung bereits den Knochen angegriffen hat und Sie eine Parodontitis haben. Dies kann jedoch nur eine Fachperson feststellen. Aus diesem Grund empfehlen wir unbedingt den regelmässigen Besuch bei einer Dentalhygienikerin oder Zahnärztin.

Was ist Diabetes?

Diabetes ist eine systemische Erkrankung, welche zu einem Insulinmangel oder zu einer Insulinresistenz führt.

Welchen Einfluss hat der Diabetes auf den Zahnhalteapparat?

Es entstehen Gefässveränderungen im Zahnhalteapparat, die Wundheilung verschlechtert sich, die Infektionsanfälligkeit steigt und der Körper reagiert generell heftiger mit Entzündungsreaktionen auf bakterielle Reize als dies bei Personen ohne Diabetes der Fall ist. Aus der Literatur weiss man heute, dass eine langfristige weitere Komplikation von Diabetes eine Parodontitis sein kann und dass eine schwere Parodontitis im Gegenzug häufiger zu Schwierigkeiten mit dem Diabetes führt. Zudem wird die Parodontitis mit längerer Dauer des Diabetes schwerer. Es ist jedoch erwiesen, dass bei Personen mit Diabetes, die medikamentös gut eingestellt sind, eine Therapie am Zahnfleisch und am Zahnhalteapparat ebenso erfolgreich sein kann, wie bei Personen ohne Diabetes.

Was kann die Dentalhygienikerin machen?

Eine sehr gute und gewissenhafte Mundhygiene ersetzt auch bei einem gesunden Menschen nicht die professionelle Zahnreinigung einer Dentalhygienikerin. Sie erreicht mit ihren speziellen Hilfsmitteln auch schwer zugängliche Stellen. Zudem entdeckt ihr geschultes Auge frühzeitig krankhafte Veränderungen. Umso wichtiger ist darum diese Behandlung bei Personen mit Diabetes, weil sie heftiger mit Entzündungsreaktionen auf bakterielle Reize reagieren können als Gesunde. Es wird heute allen Personen mit Diabetes folgendes empfohlen:

  • eine sehr gute Mundhygiene
  • eine regelmässige professionelle Zahnreinigung
  • kurze Recalls, d.h. ein kurzer Zeitintervall zwischen den einzelnen Sitzungen

Auch wenn Sie keine Beschwerden mit Zähnen und Zahnfleisch haben, empfehlen wir den regelmässigen Besuch bei der Dentalhygienikerin. Falls Sie Fragen haben, wenden Sie sich an Ihre Dentalhygienikerin oder ihre Zahnärztin. Teilen Sie ihrer zahnmedizinischen Praxis mit, wenn Sie Diabetikerin sind!

Diese Kurzinformation ist in Zusammenarbeit mit Dr. Gianni Salvi und der SSP, der Swiss Society of Periodontology entstanden. Wir danken herzlich für ihre Unterstützung. www.parodontologie.ch

Milchzähne - Basis für ein gesundes Lachen ein Leben lang

Milchzähne - Basis für ein gesundes Lachen ein Leben lang

Die Bedeutung der Milchzähne wird oft unterschätzt. Werden bereits die Milchzähne sorgsam gepflegt, steigen die Chancen auf gesunde Zähne im Alter. Für die richtige Einstellung zu den Zähnen und deren Pflege sind positive und schmerzfreie Erfahrungen in jungen Jahren sehr wichtig. Der Internationale Tag der Dentalhygiene (IFDH) vom 12. Oktober 2005 steht unter dem Thema «Mundhygiene bei Kindern».

Die ersten Zähne erfüllen eine Platzhalterfunktion für die nachfolgenden Zähne. Gehen diese frühzeitig verloren, können Fehlstellungen die Folge sein. Eine wichtige Funktion übernehmen die Frontzähne zudem auch betreffend der Bildung und Entwicklung der Sprache. Schmerzende und/oder fehlende Zähne können bei Kindern zu einem veränderten Ess- und Kauverhalten führen. Die Kinder weichen aus und gewöhnen sich falsche Ess- und Bewegungsmuster an. Gesunde und schmerzfreie Zähne fördern eine gesunde Einstellung zur Mundhöhle und deren Pflege.

Karies führt zu Zahnverlust bei Kindern

Karies ist nicht angeboren. In der Regel brechen die Zähne gesund durch. Ungenügende Mundhygiene und schlechte Essgewohnheiten gelten noch immer als die wichtigsten Verursacher von Karies. Nicht einfacher macht es die Tatsache, dass Milchzähne und auch frisch durchgebrochene Zähne anfälliger auf Karies sind. Die in den Lebensmitteln enthaltene Stärke, vor allem der Zucker, dient den Bakterien in der Mundhöhle als Nahrung. Durch die daraus entstandene Säure wird der Zahnschmelz entkalkt. Wenn die Milchzähne nicht regelmässig gereinigt werden, führt die Säure über längere Zeit zu Karies. Nicht die Menge des eingenommenen Zuckers ist entscheidend, sondern vielmehr die Häufigkeit, wie oft Zucker konsumiert wird. Das Kariesrisiko wird durch häufige Einnahme von süssen Zwischenmahlzeiten oder Süssgetränken erheblich gesteigert.

Täglicher Kampf gegen Karies

Es gibt einige wichtige Grundregeln, die es zu befolgen gilt, um das Kariesrisiko bei Kindern zu senken:

  • Ungesüsste Schoppenmahlzeiten und Breie sind zu bevorzugen. Das Angebot an zuckerfreien Schoppenmahlzeiten und Breien ist jedoch sehr gering.
  • Den Kindern unterschiedliche und abwechslungsreiche Geschmacksrichtungen anbieten.
  • Kleingeschnittene Frucht- und Gemüsestücke eignen sich für Kinder als ideale Zwischenmahlzeit.
  • Süsse Zwischenmahlzeiten vermeiden.
  • Keine gezuckerten Getränke wie Tee, Sirup, Obst- und Vitaminsäfte, Malz- und Kakaogetränke gegen den Durst geben. Besonders gefährlich sind diese gesüssten Getränke während der Nacht.
  • Dauernuckeln, auch an der Brust, soll gemieden werden.
  • Den Schnuller nie in Honig oder Zucker stecken.
  • Produkte, die das Zahnen erleichtern, müssen zuckerfrei sein. Lieber einen gekühlten Beissring anbieten, wenn das Kind Beschwerden hat. Ein gutes Mittel gegen Zahnen ist, den Kopf während dem Schlafen erhöht zu lagern.
  • Optimale und konsequente Mundhygiene anbieten.
  • Schnuller und Essbesteck nicht abschlecken.
  • Nicht mit Süssigkeiten trösten und belohnen; ein ernsthaftes und lieb gemeintes «Drückerchen » hilft dem Kind ein x-faches mehr.

Mundhygiene im Kindesalter

Während dem Durchbruch der Milchzähne sind die Babys empfindlich. Sind die Zähne mehrere Millimeter herausgewachsen, kann die Pflege beginnen. Die Milchzähne sollen mit einem feuchten, weichen Tuch, einem feuchten Ohrenstäbchen oder einer weichen Kinderlernzahnbürste gereinigt werden. Weil Kinder die Zahnpasta schlucken, empfiehlt sich der Einsatz von Kinderzahnpasta mit höchstens 250 ppm Fluorid. Bis zum zweiten Lebensjahr wird eine kleine Dosis (erbsengross) Zahnpasta maximal 1 Mal täglich, ab dem zweiten Lebensjahr 2 Mal täglich empfohlen. Die Zähne sollen täglich gereinigt werden, damit dieser Prozess für das Kind zur Routine und Selbstverständlichkeit wird. Ebenso empfiehlt es sich, wenn das Kind den Eltern bei deren Mundhygiene zuschauen kann. Währenddessen das Kind zuschaut, können die Eltern ihm eine weiche Zahnbürste zum Spielen geben. Das Kind wird die Bewegungen der Eltern nachmachen. Für eine gründliche Reinigung der Kinderzähne ist es indes ratsam, dass die Eltern die Bürste führen. Erst mit zunehmendem Alter sind Kinder fähig, ihre Zähne selbstständig zu reinigen. Bis zum sechsten Lebensjahr soll Kinderzahnpasta verwendet werden, wenn möglich ohne süsse Aromen. Eine sorgfältige Mundhygiene im Kindesalter bildet den ersten und wichtigen Schritt zu einem gesunden Lachen das ganze Leben lang.

Gesunde Kinderzähne ersparen Sorgen im Alter

Gesunde Kinderzähne ersparen Sorgen im Alter

Mit der richtigen Pflege der Zähne lassen sich erheblich Kosten sparen. Die Gesundheitskosten sinken, wenn bereits die Kinder gesunde Zähne haben, sagt die Präsidentin von Swiss Dental Hygienists, Brigitte Schoeneich Wolgensinger.

Ästhetik und Schönheit sind im übertragenen Sinn Begriffe, die in aller Munde stecken. Welche Rolle nimmt die Dentalhygienikerin diesbezüglich ein?

Brigitte Schoeneich Wolgensinger: Schöne und weisse Zähne sind nur eine Nebenerscheinung der Arbeit der Dentalhygienikerin. Die Ästhetik, diktiert vom Schönheitsideal blendend weisser Zähnen etwa bei SchauspielerInnen, kann den Patienten als Motivation zu einer sorgsamen Zahnpflege dienen. Die tägliche Arbeit der Dentalhygienikerin beinhaltet indes weitaus bedeutendere Facetten als strahlend weisse Zähne der Klienten.

Zum Beispiel?

Schoeneich Wolgensinger: Es sind sechs Hauptbereiche, in denen wir vor allem tätig sind: Aufklärung/Prävention, Befundaufnahme, Motivation, Anleitung, Therapie und Nachsorge. Auf der einen Seite kümmert sich die Dentalhygienikerin um die Mundhygiene ihrer Klienten, indem sie deren Zähne von Zahnstein befreit, Entzündungen des Zahnfleisches oder anderer Erkrankungen in der Mundhöhle erkennt und sie entsprechend ihrer Ausbildung behandelt. Auf der anderen Seite arbeitet die Dentalhygienikerin am Verhalten ihrer Klienten. Sie motiviert diese, die Zähne richtig zu reinigen und zu ihrer Mundhygiene Sorge zu tragen.

Dank einer zielgerichteten Prophylaxe und Prävention lassen sich erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem sparen.

Schoeneich Wolgensinger: Das ist absolut richtig, zumal ein bedeutendes Wechselspiel zwischen der Mundhygiene und der allgemeinen Gesundheit des Menschen besteht. Es ist beispielsweise erwiesen, dass die Paradontitis, wovon in der Schweiz rund 45 Prozent der Bevölkerung betroffen sind, einen Zusammenhang mit Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, untergewichtigen Frühgeburten und postoperativen Lungenentzündungen haben, bei anderen Erkrankungen wie zum Beispiel der Osteoporose wird ein Zusammenhang vermutet.

Macht es Sinn, mit der Prophylaxe bereits im Kindesalter einzusetzen?

Schoeneich Wolgensinger: Unbedingt! Viele Menschen haben mittlerweile begriffen, dass sie mit einer hohen Eigenverantwortung und Eigeninitiative im Bereich der oralen Hygiene Kosten sparen können. Wenn diese Eigenverantwortung bereits von Kindesbeinen an geschult wird, bringt das natürlich erhebliche Vorteile. Ganz allgemein ist es so, dass die Gesundheitskosten sinken, wenn bereits die Kinder gesunde Zähne haben.

Wie steht es denn mit der Gesundheit der Zähne bei den Kindern in der Schweiz?

Schoeneich Wolgensinger: Im internationalen Vergleich steht es gemäss Studien der WHO um die Zähne der Kinder in unserem Land nicht so schlecht. Gleichwohl könnte der Zustand der Zähne besser sein. Insbesondere bei Migranten-Kindern stellen wir immer wieder einen höheren Karies-Befall fest. Besonders in diesem Bereich ist die Aufklärung und Prävention sehr wichtig. Neben den Dentalhygienikerinnen übernimmt bei den Kindern auch die Schulzahnpflege eine äusserst wichtige Rolle.

Worauf müssen Eltern achten, damit das dentale Risiko ihrer Sprösslinge bereits in den ersten Lebensjahren minimiert werden kann?

Schoeneich Wolgensinger: Entscheidend ist eine Verhaltensänderung im Konsum. Eltern sollen ihren Kindern so wenig zuckerhaltige Esswaren und Getränke wie möglich geben. Ice-Tea etwa, wenngleich an heissen Sommertagen sehr beliebt, ist extrem schädlich für die Zähne. Wenn es nicht ohne Süssigkeiten geht, sollen zahnfreundliche Produkte (mit dem roten Zahnmännchen unter dem Schirm) verwendet werden. Nach dem Konsum von zuckerhaltigen Getränken oder auch zuckerhaltigen und kohlehydratreichen Nahrungsmitteln soll der Mund mit Wasser gespült werden. Ganz allgemein gilt, dass Zähneputzen nach jeder Mahlzeit angesagt ist. Mit einer weichen Zahnbürste und einer fluoridhaltigen Zahnpaste putzt man sorgfältig sämtliche Zahnflächen innen und aussen und auf den Kauflächen. Auch Kinderzähne müssen vom ersten Zahn an geputzt werden.

Eltern sollen sich gegenüber den Kindern insbesondere auch ihrer Vorbildfunktion bewusst werden. Denn, was in Bezug auf die orale Hygiene für den Nachwuchs zählt, gilt selbstverständlich auch für erwachsene Personen. Wer Karies hat, ist in 95 Prozent selber schuld: schlechte Pflege, schlechtes Essen und mangelnde Fluoridierung führen in den meisten Fällen zu Karies.

Hat der bekannte Spruch: «3 Mal täglich 3 Minuten Zähne putzen» immer noch Gültigkeit?

Schoeneich Wolgensinger: Man darf mit solchen Grundregeln nicht generalisieren. Wer täglich rund zehn Minuten für die orale Hygiene einsetzt, ist auf dem richtigen Weg – dazu gehört das Reinigen der Zähne (mind. 2 Mal täglich), der Zunge (1 Mal täglich) und der Interdentalräume (individuell mit Zahnseide, Interdentalbürstchen oder Zahnstocher 1 Mal täglich). Zur täglichen Pflege soll zudem ein- bis zweimal im Jahr ein Termin bei der Dentalhygienikerin vereinbart werden, und dazu einmal jährlich eine Kontrolle durch eine Zahnärztin/einen Zahnarzt.

Gesunde Zähne (Schweizer Illustrierte Juni 2010)